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Gesprächsprotokoll vom 24. September 2014 Gesprächspartner: Dr. Leonhard Fischer und Volker Grobe L. F. Dieser Herr Strahlberg, ich weiß nicht mehr, welchen Dienstgrad er hatte, jedenfalls ein sehr hoher. Der hatte die Aufgabe jeden Morgen mit den Häftlingen, die hatten einen zweirädrigen Eselkarren, einer führte den und daneben ging der Herr Strahlberg und hinter dem Wagen liefen eine Menge Häftlinge in Reih und Glied. Ich weiß nicht wie viele und es war auch nicht jeden Tag das gleiche. So ungefähr 10 bis 12. Die marschierten von Ottmannhausen kommend hier runter. Bei uns an der Mark vorbei durchs Dorf bis zur Ziegelei. Die mussten immer singen. Und die sangen, dass weiß ich noch wie heute ein Lied, das. Buchenwaldlied. Das Lied sangen die, unentwegt. Und man sah den Gesichtern an, dass es ihnen ganz Wurscht war. Es war eine Pflichtübung, mehr war das nicht. Es war eigentlich der reinste Hohn. „Buchenwald ich kann dich nicht vergessen ...“ kann eigentlich nicht sein, denn Erinnerung ist doch etwas Schönes und Buchenwald war doch nichts Schönes. H. G. Ich habe von Frau Grafe erfahren, dass sie manchmal den Häftlingen etwas zugesteckt hat, Brot oder Zigaretten. Hast du auch solche Erinnerungen? L. F. Als 1945 die Amerikaner kamen und das Lager Buchenwald aufgemacht wurde, strömten die Häftlinge in ihrer Sträflingskleidung aus, in alle Orte ringsum. Und das weiß ich noch, die hatten so eine braune Blechkanne. Mit solchen Krügen liefen die rum und erbettelten bei den Bauern Milch oder Eier. Ich hatte von meiner Oma die Aufgabe, ich stand an der Hoftür und hatte einen Korb voll Eier und musste wenn die kamen die Eier verteilen. Ich habe das gerne gemacht. Milch hatten wir auch einen Eimer, die war aber schnell alle. Das sprach sich dann rum und da strömten die auf unser braunes großes Hoftor zu und ich stand als Kind da und hab aus dem Korb Eier verteilt, bis sie alle waren. H. G. Hat es Plünderungen in Dorf durch die Häftlinge gegeben? Ich habe so Gerüchte gehört. L. F. Da ist mir nichts bekannt. Aber es gab auch Tatsachen, die genau das Umgekehrte darstellen. Als der Buchenwald geöffnet war, sind aus Berlstedt Bürgerinnen, Bürger weiß ich nicht, aber ich hab´s genau gesehen, hoch in den Buchenwald und haben sich Bettwäsche und alles Mögliche geholt. Und da liefen sie mit den karierten Bettklamotten, blau – weiß kariert, hatten sie sich Blusen gemacht, oder Röcke oder Kleider gemacht. Da sehe ich sie heute noch durchs Dorf laufen. Die hatten da keine Scham. Das ist nämlich die Gegenseite, von wegen Häftlinge hätten geplündert. Und manche sind mit dem Pferdewagen hoch und haben rausgeholt was nur rauszuholen war und haben sich bereichert mit so was. Und hatten kein Gewissen, aber Null. H. G. Als die Baracken abgerissen wurden haben doch auch Leute sich Material geholt. Als die Russen das Speziallager 2 errichtet haben das bis 1950 existierte. Aber danach ist das alles geschehen. Wir sehen ja auch noch bei den Gärten die Pfähle vom ehemaligen Lager. Auf Anfrage, wie diese zu erhalten wären antworteten die Mitarbeiter von der Gedenkstätte Buchenwald, dass sie damit auch Probleme hätten.
Aus den Gesprächsrunden der Heimatstuben Berlstedt
H. G. Wir begrüßen Herrn Horst Frühbote, er gilt als Kenner für die Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Lagers und der Nachfolgeeinrichtungen. Dazu wird Horst einige Aussagen machen. H. F. Wenn ich das Gelände, die gesamte Anlage, den Teich, das jetzige Gemeindegelände betrachte, fehlen einige Gebäude, an die ich mich aus meiner Kindheit noch erinnere. Zum Beispiel stand auf dem Platz, wo die Getreidelagerung ist, wo die Pappeln noch stehen, eine große Scheune, die „Bockscheune“. In der Bockscheune wurde Heu und Stroh gelagert von der damaligen VEAB. Anfang der 50er Jahre war die VEAB hier in Berlstedt. Die VEAB hat mit allem gehandelt, sogar mit Möhren, die die Russen, Sowjets heißt das jetzt, gekauft haben. Da war noch ein großes Gebäude, „Eselsstall“ haben wir dazu gesagt. Da hat die Familie Jacksch darin gewohnt, mit ihren vielen Kindern. Das ist zum Beispiel auch nicht mehr auf diesem Plan drauf. Das ist inzwischen weggerissen worden. Nicht mehr zu sehen ist auch die Schüttrampe, auf der der Ton aus dem Teich nach oben transportiert wurde. An den Pappeln vorbei, an der alten Halle, die weggerissen worden ist, da war die große Schüttrampe. Auf ihr wurde der Ton aus den großen Loren ausgeschüttet über eine große Rutsche. Von dort aus wurde er wieder in Loren in das Gebäude, was das jetzige Getreidesilo ist, gefahren. M. B. Da war von einer Drehscheibe die Rede. Wissen Sie, wo die war? H. F. Eine große Toilette war da oben. Da war die Drehscheibe. H. G. Die Loren mussten ja gedreht werden, wenn sie von der Ziegelei kamen. H. F. Es waren die gleichen Loren, die nach oben gezogen wurden und auch wieder zurück zum Teich. Es war immer ein ganzer Zug Loren, wie sie schon von Herrn Heinz Götze kennen. Dort eine Drehscheibe, wir haben dazu immer gesagt „Toilette“, weil dort tatsächlich Häftlingstoiletten waren. Die Rampe sieht man jetzt nicht mehr. Vielleicht ist auch noch ein Stück da. Ich hatte damals zu Hebel gesagt, reißt nicht alles weg, lasst noch ein Stück als Andenken stehen. Hebel hat gesagt, wir ziehen die Wand wieder hoch. Die Treppe existiert ja noch. Die Treppe die hoch ging zu der Halle. Da oben stand noch ein Verwaltungsgebäude von den Buchenwaldleuten. Das kenne ich auch nur noch vom Erzählen. Da kam man vom hinteren Eingang in die große Getreidehalle. Und da sieht man ja heute noch teilweise die Schienen von den Brennöfen, wo das Material in der 120 m langen Halle hin und her gefahren wurde. H. G. Du hast ja da schon eine Führung mit uns gemacht. H. F. Die Garagen dazwischen sind neu gebaut worden, aber das alte Gebäude, was die Werkstatt war, wird von der LPG heute noch bewirtschaftet. Wo Möller Rainer und Göpfert Heinz die Werkstatt hatten, das gehörte auch dazu. Brennöfen müssen da drüben gestanden haben, aber ich weiß nicht mehr genau, ob schon welche weggerissen waren. An den Gebäuden selbst ist alles so geblieben, wie es vorher war. Wir wollten damals einiges ändern, aber Steinbrück war der Meinung, dass es so bleiben könne. Die Gebäude waren stabil. Man hatte ja „für das tausendjährige Reich“ gebaut. Wir haben schon probiert mit Bolzenschussgeräten in die Pfeiler einzudringen, das war jedoch nicht möglich, die Bolzen flogen uns wieder entgegen.