Bericht des Buchenwaldhäftlings Kurt Leeser, Aachen „Tongrube Berlstedt“ Wenn ein Häftling in Buchenwald zu besonders schwerer Arbeit verurteilt wurde, kam er meist in das Außenkommando Berlstedt. ... Es war eine Ziegelei mit dem offiziellen Namen „Deutsche Erd- und Steinwerke, Betrieb der Reichsführung SS“. Sämtliche Arbeiten, die dort von Häftlingen geleistet werden mussten, waren schwer, brachten aber der SS viel Geld ein. Vorschrift war, dass jeden Tag aus der Tongrube 150 Loren Material geliefert werden mussten. Die Häftlinge waren in Gruppen von je 3 Mann eingeteilt, jede Gruppe musste am Tag 30 Loren Material loshacken und auf Faustgröße zerkleinern. Bei Regen und Wind, bei Eis und Schnee musste diese Arbeit, oft knietief im Wasser stehend, geleistet werden. Andere Gruppen mussten die beiden Loren einen steilen Hang zu den Öfen hinauf ziehen. Wehe, wenn eine Lore auf der Drehscheibe abrutschte, oder entgleiste. Der Kapo Johann Küppers schlug unbarmherzig auf die armen Häftlinge ein. In den letzten Jahren, besonders nach dem sein Freund, der Zinker Stelzmann, erschlagen wurden war, wurde Küppers etwas vorsichtiger. Die meisten Häftlinge kamen strafweise nach Berlstedt – das bedeutet immer, dass sie nicht mehr ins Lager Buchenwald zurückkommen sollten. Aber nur sehr selten wurde ein Häftling in Berlstedt erschlagen, die Arbeit in der Tongrube genügte, um einen Menschen in kurzer Zeit zu erledigen. Zumeist wurde er auch so spät zum Krankenbau im Buchenwald gebracht, dass er dort nicht mehr zu retten war. Außer der Tongrube gab es natürlich noch andere Betriebe in Berlstedt. Wenn diese auch nicht so mörderisch wie die Arbeit im Freien waren, so hatten auch sie schwer zu schuften. Besonders gilt dies für die Häftlinge in der Ziegelbrennerei, die besonders unter Schwefelgasen zu leiden hatten. Angegliedert war eine besondere Töpferei – Abteilung mit eigenem Brennofen, in der Luxus- und Gebrauchsgegenstände für die SS-Banditen hergestellt wurden. Der Kommandant von Buchenwald war zugleich Direktor dieses Betriebes und bezog ein entsprechend schönes Gehalt. Diese Tatsache wurde vom Kapo Küppers immer als Drohung gegen die Häftlinge ausgenutzt, die aus irgendeinem Grunde aus Berlstedt zum Lager Buchenwald zurück versetzt wurden. Küppers erklärte dann stets, der Häftling solle nur nichts über Berlstedt im großen Lager erzählen, sonst würde er zum Direktor des Werkes, d. h. dem Kommandanten gehen und den Häftling wieder zurück holen. Aus „Der Buchenwald – Report“, herausgegeben von David Hackett. Verlag C. H. Beck
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